Nach den Briten scheren jetzt auch die Tschechen aus
Nach den Briten scheren jetzt auch die Tschechen aus
200 Milliarden € sollen die 27 EU-Staaten dem IWF an Krediten zur Verfügung stellen - 50 Milliarden von Nicht-Eurostaaten wackeln.
Brüssel/Prag. Miroslav Singer, der Gouverneur der Tschechischen Nationalbank, ist skeptisch, was den Beitrag seines Landes zur Euro-Rettung betrifft. Wie berichtet, hatten ja die Staats-und Regierungschefs der EU am 9. Dezember beschlossen, insgesamt 200 Milliarden €an Krediten aufzubringen, mitdenen der Internationale Währungsfonds (IWF) dann Eurostaaten unter die Arme greifen kann, die unter ihrer Zinslast zusammenzubrechen drohen. In einer Telefonkonferenz am Montag konnte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker zumindest die 150 Milliarden festzurren, zu deren Aufbringung sich die 17 Eurostaaten verpflichtet haben. Sie werden die Summe als Kredit der jeweiligen Notenbank an den IWF aufbringen.
Lieber G20 als EU
Bei den Nicht-Euromitgliedern gestaltet sich die Sache schwieriger: Großbritanniens Finanzminister George Osborne ließ seine EU-Kollegen bei der Telefonkonferenz am
Montag wissen, dass sich London nicht an diesem Paket beteiligen werde -von Großbritannien war etwa die Hälfte der von den Nicht-Eurostaaten erwarteten 50 Milliarden €eingeplant gewesen.
Sein Land werde erst im Rahmen des G20-Treffens imJänner in Mexiko bekannt geben, in welchem Maß es sich an einer Aufstockung der IWF-Mittel beteiligen will.
Beobachter interpretieren diese Ansage als weiteren Ausdruck des Verschnupftseins der Engländer über die Abfuhr, die sie beim EU-Gipfel mit ihren Sonderwünschen zum Schutz des Finanzplatzes London bei den EU-Ländern erhalten hatten. Zwar zweifelt niemand daran, dass die Briten innerhalb der G20 ihren Beitrag leisten werden, der Aufschub für die Entscheidung wird aber als Signal gesehen, dass Großbritannien diesen Beitrag nicht als Zeichen seiner Solidarität mit Europa missverstanden sehen will.
Nach Großbritannien schert jetzt aber offensichtlich auch Tschechien aus: In einem Gastbeitrag für die Wirtschaftszeitung "Hospodarske noviny" zieht der Gouverneur der Tschechischen Nationalbank auch den Beitrag seines Landes in Zweifel: Das Darlehen an den IWF würde fast ein Viertel der tschechischen Devisenreserven binden -dies sei in wirtschaftlich turbulenten Zeiten gefährlich.
Als Nicht-Euromitglied könne Tschechien auch nicht so einfach auf Liquidität der Europäischen Zentralbank zurückgreifen, meint Singer, ein Kredit würde daher für sein Land ein höheres Risiko bedeuten: "Dieses Vorhaben widerspricht daher dem gesunden Menschenverstand."
Von Polen kommen hingegen Signale, sich mit den vereinbarten 6,3 Milliarden €an der IWF-Aktion zu beteiligen, auch wenn es noch keinen formalen Beschluss dafür gibt.
Die USA fallen voraussichtlich als Kreditgeber aus, weil die innenpolitische Situation zwischen Demokraten und Republikanern einen solchen Beschluss nahezu unmöglich macht. Noch offen ist, ob und in welcher Höhe sich China an den Krediten beteiligt. Für Russland hat Präsident Dimitri Medwedew bereits in der Vorwoche einen Beitrag von 7,7 Milliarden € zugesagt.
(21. 12. 2011 | Wirtschaftsblatt)